Buchclub – Wie geht das?

Seit vier Jahren treffe ich mich regelmäßig mit 5 Freundinnen, um gemeinsam Wein zu trinken und über Bücher zu diskutieren. Während solche Buchclubs oder Lesezirkel in Amerika inzwischen ein Massenphänomen sind (es soll dort drei bis vier Million Book Clubs geben), scheint sich das Prinzip in Deutschland noch nicht so recht durchgesetzt zu haben. Da mir häufig Fragen zu unserem kleinen Buchclub gestellt werden und wir inzwischen mehr Mitgliederanfragen haben, als unserer Runde gut tun würde, möchte ich euch Mut machen, selber einen Buchclub zu gründen! Es gibt da natürlich kein Richtig oder Falsch – findet eure eigenen Regeln und Rituale. Aber vielleicht können die folgenden Anregungen dabei als kleine Hilfestellung dienen:

1. Wie viele Mitglieder sollte ein Buchclub haben?

Die Erfahrung hat gezeigt, dass die schönsten Diskussionen zu stande kommen, wenn wir mit mindestens fünf Personen am Tisch sitzen. Wir sind inzwischen zu sechst, aber natürlich fehlt auch immer mal jemand. In der Anfangszeit saßen wir auch mal nur zu dritt beisammen. Auch schön, aber wie viel spannender so eine Buchdiskussion doch verläuft, wenn mehrere Meinungen und Blickwinkel ins Spiel kommen. Ich weiß auch von Buchclubs mit mehr als 10 Mitgliedern. Das stelle ich persönlich mir schwierig vor.

Lesezirkel Picknick im Wald

2. Wo finden die Treffen statt?

Wir treffen uns reihum zu Hause. Einmal sind wir auch auf ein Restaurant ausgewichen, aber das ist für so einen Bücherabend wirklich nicht optimal (Lautstärke, Untebrechungen, abruptes Ende aller Gespräche als das Lokal dann um 24 Uhr schloss). Ein bißchen Abwechslung ist trotzdem prima. Besonders gerne erinnere ich mich an ein Buchclub-Treffen im Hochsommer, als uns die Gastgeberin per Schnitzeljagd in den Wald lotste. Dort hatte sie ein Picknick vorbereitet und wir saßen bis in die Nacht hinein bei Kerzenschein zusammen und sprachen über “Die hellen Tage” von Zsuzsa Bánk.

2. Was wird gelesen?

Überlegt euch, was für euch am besten passt. Wir haben es von Anfang an so gehalten, dass wir uns auf eine gemeinsame Lektüre einigen. In anderen Buchclubs liest jeder was sie/er mag und stellt den gelesenen Titel dann den anderen vor. Auch gibt es sogenannte “Article Clubs”, die statt Büchern aktuelle Zeitschriftenartikel oder Essays besprechen. Die Buchempfehlungsvariante wählen wir übrigens 1x pro Jahr beim letzten Buchclub-Treffen vor den Sommerferien. Anschließend werden die empfohlenen Titel dann wild vertauscht und jeder geht mit reichlich Urlaubslektüre nach Hause.

Bei der Auswahl der Bücher beschränken wir uns auf Titel, die bereits als Taschenbuch erhältlich sind. Ausnahmen machen wir nur, wenn alle gewillt sind, den Mehrpreis für ein Hardcover zu zahlen. Es gibt so viele tolle Titel, die als Taschenbuch, ohne Bestseller-Aufschlag in der Stadtbücherei oder sogar ganz günstig gebraucht bei Rebuy, Momox & Co zu erhalten sind.

Achtet auch ein wenig auf den Umfang der Bücher. Einen 800-Seiten-Wälzer in einem Monat zu lesen ist ambitioniert und die Leserei soll für niemanden in Stress ausarten. Ich erinnere mich noch, wie ich bedingt durch viele berufliche Termine mal zwei Wochen Zeit hatte, um das “Ungeheuer” von Terézia Mora zu bezwingen. Da musste ich dann derart durchstolpern, dass ich diesem fantastischen Buch vorne und hinten nicht gerecht wurde. Also versuchen wir jetzt, uns die Ziegelsteine für die Sommermonate und die Weihnachtsferien aufzuheben (in denen alle erfahrungsgemäß mehr Zeit zum Lesen haben) und beschränken uns ansonsten auf etwas schlankere Bücher.

Buchclub Preparations

2. In welcher Frequenz sollten die Treffen stattfinden?

Nach einer 4-Wochen-Frequenz in den ersten Jahren sind wir inzwischen bei Treffen alle 6 Wochen angekommen. Viele Buchclubs treffen sich auch seltener. Das hat natürlich den Vorteil, dass dann auch umfangreichere Titel gelesen und intensiv vorbereitet werden können. Für uns funktionieren die 6 Wochen sehr gut. Was bei uns Wunder gewirkt hat: Die Termine für das komplette Jahr am Jahresanfang festzulegen. Es ist unheimlich müßig, wenn bei jedem Treffen eine Stunde für die Terminfindung verloren geht. Und fast unmöglich einen Monat vorher einen Termin zu finden, an dem alle Zeit haben. Nun stehen sämtliche Buchclub-Termine bereits im Januar fest und können so priorisiert behandelt werden. Und wenn doch mal jemand nicht kann, ist das auch kein Drama und es gibt es zumindest keinen Grund für Befindlichkeiten.

4. Wie bereitet man ein Treffen vor?

Wir haben unsere Buchclub-Treffen in den ersten Jahren gar nicht vorbereitet und einfach munter drauf los geplaudert. Das führte dann aber oft dazu, dass das Gespräch sich nach einer Stunde nur noch um unsere persönlichen Baustellen drehte und wir nur schwer wieder die Kurve kriegten. Ich fühlte mich ziemlich ertappt, als ich Judy Abels Artikel über Buchclubs las:

“But the truth is, we were a bunch of yentas who (sometimes) read the same book, superficially discussed it (in a most erudite way, we thought) and then moved on to our favorite subject: ourselves. Failing marriages, high-achieving kids and kitchen renovations were just as likely to be topics of discussion as the nuances of ‘Daniel Deronda’.”

Inzwischen versuchen wir, die Buchbesprechung etwas systematischer anzugehen: Die jeweilige Gastgeberin fasst einige paar Tage vor dem Treffen noch mal kurz die Handlung zusammen und schickt die Zusammenfassung zusammen mit einigen Fragen als Diskussionsgrundlage den anderen per Email. Die Liste mit den Fragen wird dann von den anderen ergänzt und dient bei unseren Treffen als grober Leitfaden. Wenn das Gespräch zu sehr abdriftet, wird einfach die nächste Frage in den Raum geworfen. Hier findet Ihr eine Zusammenstellung von Fragen und Diskussionsthemen für euren Buchclub.

4. Kochen oder Snacks?

Nachdem bei uns die Kochorgien etwas ausgeufert sind haben wir beschlossen: Wein, Knabberkram und Wein reichen aus. Und vielleicht noch ein paar Flaschen Wein. So nimmt die Vorbereitung nicht so viel Zeit in Anspruch und der nächste Tag geht nicht komplett für die Aufräumerei drauf. Auch kommen wir inhaltlich schneller auf den Punkt, wenn nicht noch ein dreigängiges Menü gebührend gewürdigt werden möchte. Ich finde es immer toll, wenn Snacks und Getränke einen inhaltlichen Bezug zum jeweiligen Buch haben. Ich erinnere mich z.B. an mexikanisches Bier und Chili als wir “All the Pretty Horses” von Cormac McCarthy besprochen haben und indische Snacks bei “White Tiger” von Aravind Adiga. Euch fällt da schon was ein!

Und weil das Rad nicht immer neu erfunden werden muss, stelle ich euch hier unsere Fragen und ggf. interessante Links zu den jeweiligen Titeln zur Verfügung. Also, worauf wartet Ihr noch?

3 Thoughts on “Buchclub – Wie geht das?

  1. Christa Grossmann on 5. März 2016 at 6:57 said:

    Hallo, ich bin gerade über diese Website gestolpert und bin sehr dankbar. Eine Freundin und ich haben vergangene Woche die Idee eines Buchclub aufgenommen und über Facebook schön recht viele Interessen/Innen erreicht. Wir waren doch etwas ratlos wie es jetzt weitergeht, aber dieser Artikel hat uns einige gute Ideen gegeben. Wie lange gibt es euren Buchclub schon? Sind die Teilnehmer etwa gleich alt? Lg aus Israel – Christa

  2. Nora on 12. März 2016 at 20:14 said:

    Liebe Christa – das freut mich sehr. Vielen Dank für deinen Kommentar. Uns gibt es inzwischen seit fünf Jahren. Zwischen der ältesten und der jüngsten Teilnehmerin liegen 10 Jahre, wir haben jedoch alle gleichalte Kinder (über die wir uns auch kennengelernt haben). Ich wünsche Euch ganz viel Spaß mit eurem Buchclub!

  3. Tolle Webseite! Ich lese wirklich sehr gern und ich habe mich schon oft gefragt, ob ich nicht mal in einen Buchclub gehe. Das Treffen Zuhause wäre okay für mich aber viel schöner würde ich so eine Art Clubheim finden. Sowas hatten wir in unserem Sprachkurs. Es gab Kuchen, die Leute haben sich zum Klönen und Kaffeetrinken getroffen. Leider ist sowas natürlich immer mit Geld verbunden aber vielleicht kann man schauen, dass man eine Location für einen kleinen beitrag mieten kann. Dann wäre ich dabei. Gruß Jürgen

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