Dave EggersThe Circle

Von “The Circle” hatte ich mir viel versprochen, war dann aber sehr enttäuscht. Das hochaktuelle Thema Transparenz & Kontrollwahn im Internet-Zeitalter hätte so viel mehr hergegeben und wird hier für eine literarisch schlechte und komplett vorhersehbare Geschichte verheizt. Das Buch trotzt vor plumpen Vergleichen und schlechten Metaphern. So zum Beispiel der transparente Hai im Aquarium des Firmenfoyers, der alles verschlingt, was ihm in die Quere kommt. Dass triviale Bücher die Bestseller-Listen stürmen ist nichts Neues. Dass “The Circle” dabei aber in vielen Rezensionen so gut weg kommt überrascht mich schon.

John Williams : Stoner

Ein wunderbares Buch! Erschienen ist es schon 1965, ich hielt es zunächst für einen aktuellen Titel, weil er gerade so omnipräsent ist auf diversen Blogs und den Auslagetischen der Buchhandlungen. Stoner stammt aus einfachsten, bäuerlichen Verhältnissen und wird von seinen Eltern zum Studium der Agrarwissenschaft an die Uni geschickt. Schon bald entdeckt er jedoch seine Liebe zur Literatur und entscheidet sich für eine Laufbahn als Universitätsdozent. Während sein Leben herbe Enttäuschungen für ihn bereithält, spenden ihm der Beruf und die Literaturwissenschaft Trost und Zuflucht. Ich konnte das Buch nicht zur Seite legen und freue mich darauf, auch die anderen drei Romane des 1994 verstorbenen Autors zu lesen.

Robert Seethaler : Der Trafikant

Hier ausführlich rezensiert

Gustave Flaubert : Madame Bovary

Na gut – hier fusche ich. Natürlich habe ich Madame Bovary nicht eben so zwischendurch gelesen. Genau genommen habe ich schon im November angefangen und mich dann durch verschiedene Versionen und Auflagen gehangelt. Unglaublich, was eine gute Übersetzung ausmacht! Ich hatte mich zunächst für eine günstige Ebook-Version aus dem Kindle Store entschieden und fand keinen rechten Zugang zu diesem Klassiker. Also nahm ich aus der Bücherei noch die Neuübersetzung von Elisabeth Edl mit und die funktionierte für mich. Als ich das Buch zurück geben musste, fehlten aber immer noch einige Seiten. Und so nahm ich Variante Nr. 3 aus der Bücherei mit, eine Übersetzung von Sander und Perker aus dem Jahr 1972 (Zeit Edition “Weltliteratur”). Ganz nett – aber kein Vergleich zu der Edl-Übersetzung. Alles in allem hat mir “Madame Bovary” sehr gut gefallen. Und die Themen wie das Streben nach Liebe und die Sehnsucht nach “Mehr” sind heute nicht weniger aktuell als im 19. Jahrhundert.

Besprochen haben wir “Madame Bovary” auch im Buchclub. Die Fragestellungen, mit denen wir uns beschäftigt haben, findet Ihr hier verlinkt.

Asa Akira : Insatiable: Porn A Love Story

Nach Madame Bovary kaufte ich mir aus einer Laune heraus “Insatiable” von Asa Akira, einer Frau, die in der heutigen Zeit Konventionen bricht und Grenzen überschreitet. Aber tut sie das wirklich oder ist Pornographie mittlerweile komplett gesellschaftsfähig? So oder so war ich froh, das Buch auf dem Kindle und somit auch in der übervollen KVB lesen zu können, ohne schräge Blicke zu ernten. In “Insatiable” schreibt Akira über ihre Kindheit und Jugend, ihren Weg in die Pornobranche, die Anatomie eines Pornodrehs, aber auch *hust* ihre eigene Anatomie und die ihrer Drehpartner. Es gelingt ihr, einige Klischées zu enttarnen: So machten sie keine unglückliche Kindheit, keine Missbrauchserfahrungen, keine von Gewalt geprägten Beziehungen zur Pornodarstellerin, sondern einfach Spaß am Sex und Neugier aufs Porno-Business. Leider ist das Buch zwar recht unterhaltsam, sprachlich jedoch enttäuschend und lässt jegliche Tiefe vermissen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post Navigation